Ein Jahr in Paraguay - Lydia Platte berichtet.

Ich wohne hier in Paraguay in einer Stadt namens San Lorenzo. Sie ist ca.15 Minuten von der Hauptstadt Asunción entfernt. San Lorenzo ist eine der größten Städte Paraguays und besitzt mehr Einwohner als die Hauptstadt.

Der "Cerro de Paraguari", also der "Hügel von Paraguari", mitten im Bild
paraguari
Meine Schule nennt sich C.R.E.S.R Saturio Rios und ist eine staatliche Schule. Eingeschult wird man mit 5 Jahren und lernt bis zum Alter von 12 Jahren in der sogenannten "Escuela". Danach besucht man für 6 Jahre das "Colegio". Die Schule wird mit einem Abschlussexamen beendet.

Auf dem Bild ist der Eingang meiner Schule zu sehen:

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Das Abschlussexamen enthält den ganzen Lehrstoff der vergangenen Jahre. Jeder, der besteht, kann danach die Universität besuchen. 
Das Saturio Rios wird insgesamt von 6000 Schülern besucht, die jeden Tag mit einer Uniform die Schule betreten. Jeden Montag wird die Galauniform getragen, die aus einem weißen Rock, einer weißen Bluse und einem roten Sakko besteht. Die Schuluniform der restlichen Wochentage besteht aus einem roten Rock und einer weißen Bluse und zusätzlich werden weiße Socken dazu getragen. Die Schuhe sind schlicht und schwarz und an kalten Tagen darf zur Ausnahme auch mal die schuleigene Jogginghose angezogen werden.

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Das obige Bild zeigt
einige meiner Klassenkameraden. Es sind nicht alle darauf getroffen, aber ich finde es weniger gestellt doch am Schönsten. Wir sind ziemlich viele und es ist sehr schwierig, alle zusammen auf ein Bild zu bekommen.


Die Schule ist hier sehr leicht, bis auf Mathe, Physik und Chemie. Das liegt wohl daran, dass das noch nie meine Stärken waren und dass diese Formeln, unabhängig davon, in welchem Land man ist, immer gleich bleiben. 
Aber trotzdem mal ein Beispiel aus Mathe: Ich habe ein Matheübungsbuch aus Deutschland mitgenommen, in dem der Lehrstoff der 5. bis zur 10. Klasse erklärt wird und habe das meinen ersten Gasteltern gezeigt, die Mathelehrer in der Schule und auch an der Universität sind. Beide haben mich ganz erstaunt angeschaut und meinten  bei den letzten 3 Kapiteln, dass dieser Stoff in der Universität gelehrt wird. In Deutschland fehlen dann noch 2 Jahre Lehrstoff der Schule! Ich habe mein Englisch auch weitgehend verlernt, glaube ich jedenfalls. Ich schaue öfters mal Filme in Englisch, das war's dann aber auch. Was man hier in Englisch lernt, das habe ich in der dritten Klasse angefangen zu erlernen. Die Englischklassen fangen hier auch erst im 10.Schuljahr oder auch erst im 11.Schuljahr an.
Um fließend sprechen zu können, muss man hier eine spezielle Schule besuchen, die extra bezahlt wird.


Ein typisches Maisgebäck namens "Chipa", super lecker!

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Das Nationalgetränk Teréré besteht aus einer Thermosflasche, ganz typisch mit dem eingenen Namen und dem favorisierten Fußballclub darauf. Links daneben die sogenannte "Guampa", in welche "Yierba" gefüllt wird. "Yierba" sind verschiedene Kräuter, veergleichbar mit Tee. Getrunken wird mit einem Strohhalm; dieser nennt sich "Bombilla". Die Thermosflasche wird aufgefüllt mit kaltem Wasser und Eis.

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Das Haus, in dem ich wohne. Allerdings ist das nicht das "durchschnittliche" paraguayische Haus, denn meine Familie ist sehr wohlhabend.

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Hier sehen Sie einen Teil meiner großen Familie.
Von links nach rechts: Meine Schwester Belén, ich, der Mann meiner Schwester Rocio, mein Onkel, meine Cousine
Darunter: Meine Schwester Rocio, meine Tante und meine Gastmutter 
Ich habe ebenfalls einen Gastbruder, der ist allerdings gerade mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Japan studieren.
Meine Gasteltern verstehen sich, sind aber getrennt, deswegen ist auf diesem Bild auch mein Gastvater nicht zu sehen.

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Mir geht es hier in Paraguay sehr gut. Ich habe vor einem Monat die Familie gewechselt und fühle mich in meinem neuen Haus sehr wohl. Meine jetzige Familie ist sehr wohlhabend und ich merke, wie schön es doch ist, einfach mal Fernsehen zu schauen, wenn man gerade möchte, oder das Internet zu benutzen, ja es überhaupt zu besitzen. Meine alte Familie hat in ziemlich ärmlichen Verhältnissen gelebt. Wir hatten weder Auto noch Radio noch Internet und auch keinen Fernseher. Dennoch finde ich es schön, auch diese Seite kennengelernt zu haben!

An Paraguay gefällt mir sehr, dass viel Landschaft noch unberührt ist. Es gibt viele Wälder und weites Land. Die Art der Menschen gefällt mir, ehrlich gesagt, nicht sehr.
Viele haben zwei Gesichter, scheinen auf den ersten Blick sehr freundlich und sind hinterher genau das Gegenteil. Viele sind sehr verschlossen und wollen auch garnicht "über den Tellerrand hinaus schauen", wie man so schön sagt.
Ich glaube, das liegt an der fehlenden Schulbildung und der Erziehung durch die Eltern, da es hier normal ist, mit 17 Kinder zu bekommen und schon verheiratet zu sein. Junge Eltern sind dann, denke ich, einfach überfordert mit der Erziehung und zusätzlichen Geledproblemen. Was ich auch nie gedacht hätte:
Ich habe das Gefühl, dass die wohlhabendere Gesellschaft einfach besser versteht mit Menschen umzugehen und sich auf neue Eindrücke einzulassen. Vielleicht liegt das an einer besseren Ausbildung? Ich finde es traurig, so zu denken.
Was ich auch nicht mag, ist, dass viele Menschen vorgeben sehr religiös zu sein, man hinterher doch aber einfach merkt, dass sie versuchen dadurch irgendeine schlechte Tat wieder aufzuwerten. Es gibt sicherlich Menschen, die tatsächlich an Gott glauben. Aber auch mindestens 50 Prozent, die es nur vorgeben.
Was mir an den Menschen gefällt, ist, dass alle ziemlich sozial sind. Man wird auch nie aus seiner Gruppe ausgeschlossen und von Mobbing habe ich hier auch noch nie etwas mitbekommen.
Im Umgang mit ehrlichen, guten Freunden ist man sehr herzlich.
Was mich sehr freut, ist, dass ich mittlerweile fließend Spanisch spreche und auch alles verstehen kann.

Grüße aus dem warmen Paraguay, Lydia